Vorbestellung des Magazins Loving Brocante

(vormals liefde voor brocante),
Wohnmagazin für alle Liebhaber des white vintage/französischen shabby chic Stils.
Herausgeberin/Fotografin: Margareet Frens
Lieferung ab 21.02.20
erscheint 4x jährlich in englischer Sprache
Preis 9,00 € incl.Mwst zzgl. Porto

„Die Schwarze Rose“ oder die Sitzkissen „Allerleirau“ aus Karakul Wolle

Eigentlich zu schön um wahr zu sein: Grau, gelockt, archaisch und wunderschön, das sind die Deutschen Karakul Schafe. Ihre Wolle variiert von kupferfarben über silbergrau bis braun mit hellen Spitzen bis hin zu pechschwarz. Ihr Fleisch ist eine Delikatesse, da der Gaumen der Karakul verwöhnt ist und sich nur mit erlesenen Kräutern zufrieden gibt – auch wenn diese in ihrer ursprünglichen Heimat Turkmenistan zumeist vertrocknet sind.
Doch leider gehört das Deutsche Karakul zu den extrem gefährdeten Haustierrassen: Aktuell widmen sich ihm nur 26 Züchter mit 45 Böcken und 320 Herdmuttertieren, sodass der Fortbestand nur durch einen erhöhten Bekanntheitsgrad erreicht werden kann.

Das Karakul gehört zu den ältesten Haustierrassen überhaupt. In Uruk am Euphrat wurden Tonabbildungen gefunden, die auf ein Entstehungsdatum von 4500 v. Chr. datiert wurden und die Haltung von Schafen dieses Typs belegen. Uruk trug damals bezeichnenderweise den Beinamen „Schafhürde“, ein Zeichen dafür, dass Schafe eine übergeordnete Rolle spielten. Uruk ist 20km von der biblischen Stadt Ur entfernt, liegt also inmitten der kulturellen Wiege der Menschheit. In der altpersischen Residenzstadt Persepolis befindet sich auf der sog. Apadana (=Palast)- Treppe ein Relief mit Schafböcken des Karakultyps, entstanden 500 v. Chr..

Die besondere Lockenbildung beim neugeborenen Lamm gab der Rasse den Namen „Kara-gjull“, was „Schwarze Rose“ bedeutet. Pechschwarz geboren, nimmt die Wolle im Laufe der Zeit silbergraue Nuancen an. Die Locken wachsen sich zu einer üppigen Wollpracht aus, die nicht nur das Auge erfreut, sondern auch die Gewinnung von Fellen und Garnen in Luxusqualität ermöglicht.
Übrigens gibt es keine grauen Schafe/Tiere: Das, was das Auge als grau wahrnimmt, ist in Wirklichkeit die Kombination von dicht beieinander stehenden weißen und schwarzen Haaren. Mit dem Grau der Karakul hat es aber noch eine andere speziell rassebedingte Bewandtnis: Man kann keine reinerbig grauen Tiere züchten! Sobald die Lämmer beginnen, festes Futter aufzunehmen, sterben sie an einem Defekt des Magentraktes. Verursacher ist ein Letalgen, das züchterisch nicht in den Griff zu bekommen ist. Grau entsteht also nur bei der Verpaarung schwarzer und grauer Tiere bzw. bei mischerbig veranlagten Grauen.
Bis Ende des 19.Jahrhunderts wurden die Karakul besonders in der Region um Buchara (heutiges Turkmenistan) und Chiwa (heutiges Usbekistan) gehalten. Riesige Herden zogen über die Steppen. Die Farbvielfalt war enorm, sogar weiße Tiere gab es.

60 Tiere kamen Anfang des 20. Jahrhunderts als Staatsgeschenk nach Ostdeutschland, wo sie sich munter vermehrten und schließlich als große Herde von der Universität Halle gehalten und erforscht wurden. Es bildete sich ein eigener Genpool heraus, der sich unter dem Namen „Deutsches Karakul“ akklimatisierte und beheimatete. Zudem gelang es, die ursprünglichen Qualitäten zu erhalten, da die Tiere reinrassig weiter gezüchtet wurden. Importe aus der alten Heimat waren daher unnötig, vielmehr verkaufte die Universität Halle ihre Zuchttiere sogar nach Rumänien, Südafrika, Namibia bis in die Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Felle wurden über Auktionen in London verkauft. Russland gilt bis heute als bestandssicherndes Zuchtland, ebenfalls Südafrika. In Namibia leben etliche Herden bei deutschstämmigen Züchtern. In der alten Ursprungsheimat ist die Lage jedoch kriegsbedingt katastrophal.
Ein Projekt, auf Island die Wollqualität der einheimischen Islandschafen mittels Einkreuzen von Karakul Schafen zu verbessern, schlug komplett fehl.
Die Zucht innerhalb Deutschlands entwickelte sich immer besser, bis in den 1980iger Jahren der Pelzmarkt vehement einbrach. Zudem verlagerte sich das Forschungsinteresse der Universität Halle auf Pferde. Die bestehende Zuchtherde wurde an private Züchter verteilt, die sie unter dem Namen „Kleintierzüchter Verband“ (VKSK) weiterzüchteten. Leider verloren immer mehr Menschen das Interesse an der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Das Wissen um die Qualitäten der alten Haustierrassen ging damit mehr und mehr verloren und mit ihm wertvolles Genmaterial. Unwissen, Einkreuzungen und Desinteresse haben viele alte Haustierrassen an den Rand des Aussterbens gebracht. In Schweden beispielsweise konnte eine ähnlich alte Schafrasse, die Gutefår der Insel Gotland, nur gerettet werden, indem sie auf der kleinen Insel Stora Karlsö isoliert wurde.

Mein Wunsch, einen der wenigen Züchter zu treffen, wurde nach all diesen Erkundigungen übermächtig. Über die „Gesellschaft zur Erhaltung alter Haustierrasen“ (GEH) bekam ich verschiedene Adressen und durfte die homogene kleine Herde eines Züchters in meiner Nähe besuchen. Noch ist Winter und noch träumen die Karakul vom Frühling und vom frischen Gras. Noch lässt ihre über die Maßen dichte Wolle sie ballonartig wirken. Tatsächlich brechen die Karakul einen weiteren Rekord, sie haben nämlich die dickste Wolle aller Schafe: Mit einer Dichte von 48 liegen sie einsam an der Spitze (zum Vergleich: Pommernschaf 36, Pelzschaf 24, Merino 14). Ihre eigentlich dicken, auffälligen Schwänze gehen in der dicken Wolle beinahe unter; sie wirken ein wenig wie das Hinterteil eines Lamas. Tatsächlich dient der Fettschwanz als Energiereservoir wie der Höcker bei den Kamelen. Nomen est omen speichert der Schwanz sämtliches Fett, das Fleisch bleibt dadurch ausgesprochen mager.

Das Deutsche Karakul ist dem hiesigen Klima hervorragend angepasst. Feuchtigkeit mögen sie wie alle Schafrassen nicht, ein winddichter Stall verschafft aber leicht Abhilfe; sie sind widerstandsfähig, robust, langlebig, leichtfuttrig und außerdem erstklassige Landschaftspfleger.
Die Wolle ist mindestens 20cm lang. Unter dem langen Deckhaar befindet sich die Unterwolle, die nur wenig kürzer ist. Vom Verspinnen hatte mich der Züchter gewarnt: Es sei kaum möglich. Zum Filzen ist sie jedoch einmalig: Sie verfilzt in Sekundenschnelle und ehe ich mich versehe, sind meine dicken, runden Sitzkissen fertig. Ich nenne es kurzerhand „Allerleirau“ in Anlehnung an das gleichnamige Märchen, in dem die Königstochter nur mit ihren dicken langen Haaren bekleidet ist. Ebenso wetterfest sind die Sitzkissen, bei Wind und Wetter können sie im Garten bleiben. Nur die meisen zupfen ein wenig, schaffen es aber nicht, die feste Form aufzupicken. Der Kern ist lockerer gefilzt, um größtmögliche Bequemlichkeit beim Sitzen zu ermöglichen. Was im Garten rustikal wirkt, ist auf dem Barhocker in der Küche eher elegant und extravagant.

Nun möchte ich mehr Menschen für diese wunderbare Rasse begeistern: Vielleicht geht es vielen wie mir, die noch nie zuvor von „Deutschen Karakul“ gehört haben. Die Rasse darf einfach nicht aussterben! Für Anfänger wären 3 Muttertiere und ein Bock wären eine gute Ausgangsbasis – je mehr natürlich desto besser.
Mit anderen Schafrassen sollte man sie übrigens nicht halten, denn sie folgen auch hier ihrem alten Erbe: Sie haben die Angewohnheit, die Landschaft ständig wachen Blickes nach Feinden abzusuchen – während die anderen Schafe in aller Ruhe fressen, schauen sie in der Gegend herum und suchen den Horizont nach Auffälligkeiten ab. Beim Fressen kommen sie dabei dann nicht nur zu spät, sondern auch zu kurz. Und magern ab. Die Haltung mit Kühen oder Pferden empfiehlt sich ebenfalls nicht: Die Böcke sind recht angriffslustig (und halten auch nichts vom Schmusen). Verwöhnte junge Böcke werden zwangsläufig gefährlich. Dass sie wesentlich scheuer sind als andere Rassen, hat auch etwas Gutes für sich: Sie sind damit quasi diebstahlssicher.

Die Sitzkissen sind etwa 34cm im Durchmesser und sind sitzelastisch. Hauptsächlich in der Farbe silbergrau erhältlich, wird es in Kürze auch einige Färbeversuche geben.
Catrin Porsiel, Manufaktur Verlockend.


  

Tuchmarkt auf Schloß Lüntenbeck

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handgefilzte Kissen aus meinem Karakul Projekt / FilzFun 2/2016

indoor und outdoor geeignet

Durchmesser ca.34cm,
Farben wie abgebildet und auf Anfrage

38,- €

 

Deutsches Karakul (Download)

 

 

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Fotos:  Shanti Broeng / Linnea Press, Heinz Duttmann / LandLust, Catrin Porsiel, Frauke Szameitat

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